November 2016

WestLotto-Chef Andreas Kötter: So gehen wir mit Lotto-Spielern um, die Millionen gewonnen haben

von Dietmar Grünberg

von FOCUS-Online-Redakteurin Charlotte Zink

Vor wenigen Wochen sahnte ein Deutscher den bisher höchsten Lottogewinn der Geschichte ab. 90 Millionen Euro gewann der Tipper aus dem Schwarzwald. Hängt er sich nun einen Monet übers Bett oder lässt die Rolling Stones im Garten auftreten? Fest steht: Mit mehreren Millionen Euro auf dem Konto kann sich ein Leben um 180 Grad wenden.

Doch was passiert eigentlich, wenn ein Lotto-Spieler feststellt, dass er den Jackpot geknackt hat?

FOCUS Online hat mit WestLotto-Geschäftsführer Andreas Kötter gesprochen und erfahren, wie es für Lotto-Gewinner weitergeht. Kötter erklärt: „Wenn sich ein Hochgewinner telefonisch bei uns meldet, wird er zunächst zu einem unserer Gewinnerbetreuer durchgestellt, mit dem dann das weitere Verfahren besprochen wird. Ab einem Gewinn von 100.000 Euro bieten wir ein freiwilliges Informationsgespräch an.“

„Das ist kein Treffen, bei dem gefeiert wird“

Viele nehmen das gerne an. Im Fall von WestLotto empfangen zwei Gewinnerbetreuer die Lotto-Spieler dann in der Zentrale in Münster. Ein Faxgerät, ein Drucker, Stühle, ein Tisch, Kalt- und Warmgetränke: Die Atmosphäre, in dem Konferenzraum ist bewusst nüchtern gehalten.

„Das ist kein Treffen, bei dem gefeiert wird, sondern es geht um praktische Ratschläge“, erklärt Kötter. „Natürlich bieten wir deswegen auch keine alkoholischen Getränke an“, so der WestLotto-Chef weiter.

WestLotto gibt Gewinnern drei goldene Regeln mit

Er selbst war schon mehrfach bei Treffen mit Lotto-Gewinnern dabei. Vor allem eine vierstündige Unterhaltung ist ihm dabei in Erinnerung geblieben: Eine Tipp-Gemeinschaft hatte mehrere Millionen Euro gewonnen. Während einige schon wussten, was sie mit ihrem Geld machen wollten, waren sich andere noch im Unklaren.

„Die Gruppe hatte den Plan, sich im Biergarten zusammenzusetzen und dort zu überlegen, wie sie mit ihren Millionen weiterverfahren“, so Kötter zu FOCUS Online. „Von diesem Plan haben wir dringend abgeraten, denn er widerspricht grundlegend gegen die drei goldenen Regeln, die wir unseren Gewinnern an die Hand geben.“

Diese lauten:

  • Bewahren Sie Stillschweigen.
  • Überstürzen Sie nichts.
  • Lassen Sie sich beraten.

Über Gewinner bricht Flut an Fragen herein

Stillschweigen schütze die Gewinner vor Neid und dem breiten Interesse der Öffentlichkeit. Auch intern wissen nur die zuständigen Berater, wer Millionensummen gewonnen hat, sagt Kötter. Nicht einmal der WestLotto-Chef selbst kennt die Gewinnernamen, denn in der Regel ist er bei den Beratungen nicht dabei.

Zur zweiten goldenen Regel sagt Kötter: „Es ist wichtig, dass Gewinner keine voreiligen Entscheidungen treffen, die sich möglicherweise nicht rückgängig machen lassen.“ Dazu gehöre etwa, unüberlegt einen Job zu kündigen oder voreilig Kaufverträge abzuschließen.

Beratung sei wichtig, weil über die Gewinner oft eine Flut von Fragen hereinbreche, wie zum Beispiel: Muss ich mein Testament jetzt ändern oder was ändert sich bei der Steuer?

WestLotto gibt Hilfestellung

„Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass Gewinner ihr Leben oft nicht komplett verändern wollen, sondern lediglich Geldsorgen loswerden möchten“, sagt der WestLotto-Chef. „Immer wieder kommt es vor, dass sie überhaupt nicht die ganze Gewinnsumme haben wollen, weil sie sagen: ‚Das ist mir zu viel‘.“

WestLotto stellt dann einen Kontakt zum Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen her. Dieses kann über soziale Projekte informieren und Hilfestellung beim Spenden geben. „Bei unseren Gesprächen mit den Gewinnern geben wir keine Empfehlungen, für welche Organisation gespendet werden sollte oder von welcher Bank etwa Vermögen verwaltet werden sollte“, betont Kötter. „Wir wollen lediglich Hilfestellung bei der Klärung dieser Fragen bieten, indem wir neutrale Institutionen aufzeigen, bei denen sich die Gewinner informieren können, um diese für sich besser beantworten zu können.“

Bei einigen Gewinnern ist alles etwas anders

Bis es soweit kommt, dass Gewinnerberater tatsächlich mit frischgebackenen Millionären zusammentreffen, gehen nicht selten einige Wochen ins Land. Oft dauert es, bis die Spieler ihren Gewinn bemerken, viele brauchen dann erst ein bisschen Zeit bis sie zu einem Treffen bereit sind.

Und dann sind da noch die Fälle, in denen alles ein bisschen anders läuft. So habe ein Spieler, der deutlich über 100.000 Euro gewonnen hatte, seine Spiel-Quittung auf einem Parkplatz verloren, erinnert sich Kötter. „Nach ausgiebiger Suche hat er sie glücklicherweise wiedergefunden.“

„Bügeln ist auch keine gute Idee“

Wesentlich komplizierter war es für einen Millionen-Gewinner, der seine Quittung laminierte. Weil er sie dabei beschädigt hatte, mussten Kriminaltechniker die Zahlen rekonstruieren. „Für anonyme Spieler ist die Spiel-Quittung der einzige Weg, nachzuweisen, dass sie gewonnen haben“, erklärt Kötter.

„Da tun die Spieler natürlich alles, um diese zu schützen. Erfahrungsgemäß kann ich jedoch sagen: Bügeln ist auch keine gute Idee.“

Gelesen auf FOCUS.DE 19.11.2016

So rührend wirbt die spanische Weihnachtslotterie für Tippgemeinschaften

von Dietmar Grünberg

Emotionale Weihnachtsfilme sind längst keine rein britische Spezialdisziplin mehr – auch in anderen Märkten besitzen die Kreativen dafür inzwischen das nötige Händchen. Etwa bei Leo Burnett in Madrid: Die Agentur hat bereits in den vergangenen beiden Jahren großartige Kampagnen für die traditionelle spanische Weihnachtslotterie kreiert – und legt auch in diesem Winter mit einem rührenden Film die Latte für internationale Werbungtreibende wieder enorm hoch.

Lottoziehungen faszinieren die Menschen ja in der ganzen Welt. Was aber in Spanien jedes Jahr in der Vorweihnachtszeit zu beobachten ist, setzt in jedem Sinne neue Maßstäbe. Bei der „Lotería de Navidad“ explodieren die Einsätze und auch die Gewinne, 2013 hielt im Schnitt jeder Spanier sogar mehr als zwei (!) Lose. Insgesamt entfällt etwa ein Viertel der jährlichen Verkaufserlöse des staatlichen Lottoanbieters auf die Weihnachtslotterie. Das Besondere dabei: Zur Ziehung um den mit vier Millionen Euro dotierten Hauptpreis „El Gordo“ bilden sich viele Tippgemeinschaften, sodass häufig ganze Dörfer, Firmen oder Sportvereine gemeinsam abräumen.

Von der kollektiven Hoffnung auf den großen Gewinn handelt auch der neueste Weihnachtsfilm „21 de diciembre“. Er spielt am Vortag der traditionellen Ziehung am 22. Dezember, an dem die pensionierte Lehrerin Carmina im Fernsehen eine Wiederholung sieht und glaubt, sie und ihre Tippgemeinschaft hätten mit den Zahlen aus dem Vorjahr das große Los gezogen. Um die alte Frau nicht zu enttäuschen, spielt auf Bitten ihrer Familie das ganze Dorf das Spielchen mit: Der Café-Besitzer, die Frisörin, der Fischer und selbst die Ordnungshüter bringen es nicht übers Herz, Carmina die Wahrheit zu sagen. Letztlich erhält natürlich niemand den großen Preis – aber gewonnen hat trotzdem das ganze Dorf.

Der emotionale Kurzfilm schafft es in seinen knapp fünf Minuten, die Magie der spanischen Weihnachtslotterie zu vermitteln – selbst jenen, die von dem gemeinschaftlichen Tippspektakel vorher noch nie etwas gehört haben. Damit tritt der Spot in die Fußstapfen der beiden großartigen Vorgänger „Antonios Bar“ und „Justino“. Letzterer gewann in diesem Jahr in Cannes sogar den Cyber Grand Prix. Die Kreation stammt erneut von Leo Burnett Madrid, produziert hat den Film RCR unter Regie von Santiago Zannou. Auf der Kampagnenwebsite gibt es auch eine interaktive Version, die via Smartphone und Facebook Messenger zeigt, wie Carminas Sohn und ihr Enkel die Dorfbewohner organisierten. fam Hier geht`s zum Video 

Gelesen in HORIZONT – 17.11.2016

Dietmar Grünberg über gut gemachte Gewinnspiele

von Marcus Alexander Maschke

  EXPERTEN IM INTERVIEW

Dietmar Grünberg – Geschäftsführer HAPPY Marketing Solutions GmbH

Die Leidenschaft für Lotterien und Gewinnspiele ließ Dietmar Grünberg nie los. Seit 2015 gehört dem Marketingprofi u. a. das Unternehmen HAPPY Marketing Solutions. Mit seinem Team organisiert er für seine Kunden maßgeschneiderte Gewinnspiel-Kampagnen. Warum Dietmar Grünberg der Meinung ist, dass oft sehr viel Potential, das in einem seriösen Gewinnspiel steckt, einfach nicht genutzt wird, verrät er in diesem Interview

http://klauswenderoth.de/dietmar-gruenberg-ueber-gut-gemachte-gewinnspiele/